Erheiterndes für werdende Mütter: "Unter dem Herzen" von Ildikó von Kürthy

Als Bald-Mama macht man unweigerlich die Erfahrung, dass sich Menschen, mit denen man sonst kaum ein „Guten Morgen“ im Büro wechselt, plötzlich berufen fühlen, die wachsende Körpermitte zu kommentieren, stundenlang vom eigenen Nachwuchs zu erzählen oder ungebeten Ratschläge erteilen. Ungleich lieber sind mir da doch allerdings Buch-Tipps wie der, dem diese Rezension zugrunde liegt. Die Inspiration zu dieser Lektüre stammt von meiner Yogalehrerin aus meinem Kurs für Schwangere. Da mir Ildikó von Kürthy auch vorher schon ein Begriff war, habe ich beim nächsten Stop im Buchladen direkt zugeschlagen. 

 

Ich muss zugeben, ich mag nicht nur den Schreibstil von Ildikó von Kürthy, sondern auch ihre Art und ihren Humor, wann immer ich sie in Talkshows oder Buchbesprechungen sehe. Deshalb war ich umso gespannter, wie sie das Thema Schwangerschaft und das erste Jahr mit Kind in „Unter dem Herzen“ verarbeiten würde. Ich habe mir vor allem eine kurzweilige amüsante Lektüre erhofft und wurde nicht enttäuscht.

 

Von Kürthy hat das Thema im Stil eines Tagesbuchs aufgegriffen. Der erste Eintrag beginnt bei Schwangerschaftswoche 4+2. Lange Zeit hatte sie versucht schwanger zu werden und die Hoffnung mit Ende 30 eigentlich schon aufgegeben: „Ich hatte gar nicht mehr mit dir gerechnet.“  Umso mehr freut sie sich mit ihrem Mann über den unerwarteten Nachwuchs. Gleichzeitig halten aber auch Ängste und Zweifel, die wohl jeder werdenden Mutter irgendwann begegnen, in ihrem Leben Einzug. Da ist zum einen die Befürchtung einer Fehlgeburt, die die Autorin als Spätgebärende die ersten zwölf Wochen permanent begleitet und zu derartigen Dialogen mit ihrem Gynäkologen führen: 

„‘Kann ich irgendetwas tun, um das kleine Herzchen beim Weiterschlagen zu unterstützen? (...)‘

‚Positives Denken und ein Präparat mit Folsäure, das reicht‘, sagte der Doktor ungerührt. 

Das reicht? Soll das ein Scherz sein? (…) Mit einem Mal entwickelte ich Verständnis für Tom Cruise, der sich ein eigenes Ultraschallgerät gekauft hatte, um die Schwangerschaft seiner Frau täglich und persönlich zu überwachen.

 

Aber auch Zweifel daran, wie sie sich als Mutter schlagen wird, plagen die Autorin: „Werde ich meinen Sohn auch lieben können, wenn er hundertdreißig Kilo wiegt und Fahrlehrer werden will, oder meine Tochter, wenn sie mit achtzehn beschließt, sich ein Arschgeweih tätowieren zu lassen und Weihnachten bei den Eltern ihres Idioten-Freundes zu feiern?“ Obwohl so sehr herbeigesehnt, steht von Kürthy plötzlich vor der grundsätzlichen Frage, ob ein Kind eigentlich das richtige für sie ist: „Ich war nie besonders kinderlieb. Es kommt eben aufs Kind an. Wie bei allen anderen Lebewesen ja auch. Ich mag keine kleinen Hunde, keine jovialen Männer, keine piepsstimmigen Frauchen und keine Kinder, die sich in der Reihe vor mir mit Cola bespucken. Und ganz besonders schwer tue ich mich, ehrlich gesagt mit Eltern.

 

Liebevoll und charmant verpackt von Kürthy ihre Gemütszustände und zaubert dem Leser immer wieder ein Schmunzeln ins Gesicht. So zum Beispiel, wenn sie eine Liste mit fremdartigen Begriffen (z. B. Mutterkuchen, Käseschmiere, Milchschorff...) anlegt, die ihr im Laufe der Schwangerschaft begegnen und die Verwendung in einem ihrer nächsten Bücher finden sollen. 

 

Und auch in ihrer Reaktion als sie erfährt, welches Geschlecht ihr Ungeborenes hat, erkennt sich so manche werdende Mutter vielleicht selbst wieder: „Ich habe keine zwölf Stunden gebraucht, um mich mit der Tatsache, dass ich einen Jungen bekommen werde, nicht nur abzufinden, sondern regelrecht erleichtert zu sein. (…) Außerdem bin ich nach bald vierzig Lebensjahren mit meiner Frisur immer noch nicht im Reinen – undenkbar, noch für eine weitere mitverantwortlich zu sein.“ 

 

Ich hätte noch unzählige weitere Zitate auswählen können – so kurzweilig und amüsant hat von Kürthy den Verlauf der Schwangerschaft und das erste Lebensjahr mit ihrem Sohn inklusive dem Wiedereinstieg in ihre berufliche Tätigkeit verpackt. In nur einem Tag habe ich das Buch verschlungen. Natürlich handelt es sich dabei nicht um anspruchsvolle Literatur, vieles ist überspitzt, aber dennoch authentisch, wohltuend selbstironisch und stets mit einem Fünkchen Wahrheit darin. 

 

Fazit: Für mich auf jeden Fall eine empfehlenswerte Lektüre für werdende Mütter, die nicht nur Fakten zur Schwangerschaft lesen wollen, sonder auch mal eine erheiternde Abwechslung suchen. Denn ist doch einfach so wie von Kürthy es in ihren Eingangsworten beschreibt: „Es ist absolut nichts Besonderes, wenn ein Baby zur Welt kommt. Außer, es ist das eigene!


 

 

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