Eine Seefahrt, die ist lustig… - Teil 3

Im dritten und entgegen der Ankündigung vorletzten Teil meines Kreuzfahrt-Berichtes nehme ich euch mit nach St. Petersburg. In der russischen Metropole wartete ein Landausflug-Marathon auf uns, der so viele Eindrücke vermittelte, dass man sie kaum in der Kürze der Zeit verarbeiten konnte. War Tallinn noch ein beschauliches Städtchen, welches man gut an einem Tag erkunden konnte, ist die Millionenstadt an der Newa eine extreme Herausforderung für Kurzbesucher.

Tui Mein Schiff 3

Next Stop: Millionenstadt St. Petersburg

Nach dem schönen Hafen von Tallinn, der einen Blick auf die Altstadt erlaubte, wachen wir in St. Petersburg in weniger reizvoller Umgebung auf. Nichts als alte Plattenbauten und ein noch nicht fertig gestelltes Fußballstadion sind in Sicht. Umso gespannter sind wir, was uns auf unserem 9-stündigen Landausflug erwarten wird. Für ein ausgiebiges Frühstück bleibt kaum Zeit, denn wer viel sehen will, muss früh raus aus den Federn. Um acht Uhr geht unser Bus Richtung Puschkin, wo mit dem Katharinenpalast gleich ein Highlight auf uns wartet. Doch zunächst gilt es durch die Passkontrolle zu kommen. Für alle, die einen Landausflug gebucht haben, geht das recht unkompliziert. Reisepass und Ausflugskarte genügen, um an den Grenzbeamten vorbeizukommen. Wer allerdings auf eigene Faust St. Petersburg und die Umgebung erkunden will, muss sich im Vorfeld um ein Visum kümmern. Dass diese Mühe nicht viele unserer Mitfahrer auf sich genommen haben, verrät schon die Armada von Bussen, die vor dem Kreuzfahrt-Terminal warten und die Kulturinteressierten nach und nach verschlucken. 

Der erste Eindruck von St. Petersburg: Ernüchternde Plattenbauten
Der erste Eindruck von St. Petersburg: Ernüchternd.

9 Stunden Sightseeing-Marathon

Die Fahrt nach Puschkin dauert eine gute Stunde. Für unsere Reiseführerin jedoch keine verschwendete Zeit. Sie vergeudet keine Minute und beginnt uns, die Geschichte der Zaren näher zu bringen. Das interessiert mich zwar tatsächlich, aber spätestens als wir den Bus verlassen, ein eisiger Wind durch Puschkin weht und wir uns in einer riesigen Schlange vor dem Katharinenpalast wiederfinden, beginnt meine Aufmerksamkeit zu schwinden. Ganz weg ist sie schließlich als meine Mutter und ich unsere Reisegruppe im Gewühl zwischen Garderobe und Toilette verlieren. Über die Funkkopfhörer können wir gerade noch verstehen, dass es nun Richtung Eingang geht. Aber wo bitte ist der?! Leichte Panik überkommt uns. Der Einlass wird nur der Gruppe gewährt und wir haben keine Eintrittskarten. Mit etwas Glück und dem leichten Einsatz von Ellenbogen finden wir noch rechtzeitig den Anschluss bevor wir wieder warten müssen. Seit die Rekonstruktion des Bernsteinzimmers wieder eröffnet wurde, wird der prächtige Palast, der als Sommerresidenz für Katharina I., der Ehefrau von Peter dem Großen errichtet wurde, geradezu von Touristen überflutet. Und so schieben wir uns von einem Gold verzierten Zimmer zum nächsten. Überall dürfen wir uns nur wenige Minuten aufhalten, um den Touristenfluss nicht ins stocken zu bringen. Unsere Reiseführerin hat sichtlich Mühe uns alle Informationen in dieser kurzen Zeit zu vermitteln und mir fällt es unendlich schwer, gleichzeitig zuzuhören, die Räume zu bestaunen, schnell ein paar Fotos zu schießen und aufzupassen, dass ich dabei niemandem auf die Füße trample. So hatte ich mir das ehrlich gesagt nicht vorgestellt. Das finde ich wirklich schade, denn so fehlt Zeit und Muße für Details und sich in die Zeit der Zaren hineinzuversetzen. Draußen wandeln wir noch eine Weile durch den Schlosspark bevor es schnellen Schrittes wieder Richtung Bus geht.

Der Katharinen-Palast in Puschkin
Der prunkvolle Katharinen-Palast in Puschkin

Für die 25 km von Puschkin nach St. Petersburg, wo ein Mittagessen auf uns wartet, brauchen wir eine gefühlte Ewigkeit. Der Verkehr ist die Hölle. Als wir es endlich geschafft haben, finden wir uns in einem Café wieder, das offenbar nur für Kreuzfahrt-Touristen seine Tore geöffnet hat und ein 3-Gang-Menü kredenzt, das abgesehen vom Wodka wenig mit der russischen Küche gemeinsam hat. Schade! Ein paar russische Spezialitäten hätten nicht geschadet. Typisch deutsches Essen kann man schließlich auch auf dem Schiff bekommen.

 

Anschließend geht es weiter mit dem Bus durch die Stadt am Ufer der Newa, die 200 Jahre die Hauptstadt Russlands war und von Peter dem Großen gegründet wurde. Vorbei an der Eremitage, der Auferstehungs-Kirche, über den Newski-Prospekt und diversen Museen und Kathedralen. An einigen Plätzen werden kurze Fotostopps gemacht bevor wir schließlich noch die Peter-und-Paul-Festung mit seiner gleichnamigen Kathedrale, die 1713 bis 1732 gebaut wurde, besuchen. In ihrem Innenraum befinden sich die Gräber der meisten russischen Zaren seit dem 18. Jahrhundert. Auch diese Kirche ist in ihrem unendlichen Prunk und den Gräbern aus Marmor sehr beeindruckend. Leider habe ich zu diesem Zeitpunkt schon lange den Faden in der Geschichte verloren und kann mir nur Bruchstücke merken. Wie alle Sehenswürdigkeiten des Tages ist der von Domenico Trezzini errichtete Kirchenbau völlig überlaufen. Dennoch nehmen wir unendlich viele Eindrücke der Stadt an diesem Tag zurück mit auf die Kabine. Unsere Reiseführerin hat wirklich ihr Bestes gegeben, uns so viele Informationen wie nur möglich mitzugeben. Nicht nur geschichtliches Wissen, auch persönliche Eindrücke über das Leben unter dem aktuellen Präsidenten gab sie preis. Aber irgendwann schaltet das Gehirn leider nur noch auf Stand-by. Nach über zehn Stunden kommen wir daher geistig völlig erschöpft am Hafen an und sind froh, uns jetzt nur noch der Wahl unseres Abendessens widmen zu müssen. Welch ein Glück im Nachhinein, dass wir uns nicht noch für einen abendlichen Ballett-Ausflug entschieden haben. Den hätten wir dank des katastrophalen Verkehrs ohne Umziehen überhaupt nicht mehr geschafft! 

St. Petersburg auf eigene Faust - oder wie man zwei Stunden Zeit vertrödelt

Für den zweiten Tag haben wir uns für ein Minimum an Selbstbestimmung ohne Visa entschieden: Wir haben einen geführten Landausflug mit zwei Stunden zur eigenen Erkundung der Stadt gebucht. Wie alle Ausflüge beginnt auch dieser wieder im Bus. Dieser kutschiert uns zur nächsten U-Bahn-Haltestelle, wo wir mit unserer neuen Reiseführerin das Bahn fahren unter Aufsicht ausprobieren dürfen. Eine unendliche Rolltreppe geht es hinab in die russische Unterwelt. Das Hauptaugenmerk richten wir dabei aber darauf, in dem erneuten Chaos das blaue Schildchen unseres Guides nicht aus dem Blick zu verlieren. Und schon geht‘s los: Hinein in die U-Bahn. 

Rolltreppe der U-Bahn am Newski-Prospekt in St. Petersburg
Rolltreppe der U-Bahn am Newski-Prospekt in St. Petersburg

Wir fahren nur wenige Stationen bis wir am Newski-Prospekt ankommen, wo wir der Reiseführerin im Gänsemarsch bis zum Treffpunkt, einem Souvenir-Geschäft folgen. Hier werden wir uns in knapp zwei Stunden wieder treffen, um die Rückreise zum Schiff anzutreten. Ab da sind wir auf uns allein gestellt. Und was nun? Die Stadt ist riesig, wir haben wenig Zeit und keine Rubel. Also erst mal zur Wechselstube. Das kennt man seit dem Euro ja kaum noch. Mit der neuen Währung bewaffnet, laufen wir die riesige Einkaufsstraße entlang. Zum shoppen ist die Zeit zu schade, ohnehin haben wir dafür zu wenig Geld umgetauscht. Also auf zu einer der Kirchen, die wir gestern nur von außen bestaunen konnten. Nach kurzer Zeit schon die Ernüchterung: Puh, doch irgendwie alles weiter als gedacht. Als wir ankommen, die erneute Enttäuschung: Die Schlangen vor der Isaakskathedrale sind riesig, der Eintritt teuer. Selbst wenn wir mit Kreditkarte zahlen würden, würden wir unseren Bus zum Schiff wohl nur erwischen, wenn wir im Schnellschritt durch die Kirche stürmen würden. Dafür wiederum lohnt sich der finanzielle Einsatz nicht. Also zurück zum Newski-Prospekt.

Der weltberühmte Newski-Prospekt in St. Petersburg
Der weltberühmte Newski-Prospekt in St. Petersburg

Vielleicht trinken wir einfach in Ruhe einen Kaffee?! Nach dem Erwerb einiger kleiner Souvenirs reicht das Geld in den meisten Lokalen kaum für einen Cappuccino. Dass St. Petersburg so teuer ist, hätten wir nicht vermutet. Schließlich schafft meine Mutter es mit ihren bruchstückhaften Russisch-Kenntnissen drei einfache Kaffee bei Subway für uns und ihre Freundin zu bestellen. Nicht gerade der beste Kaffee der Welt, aber heiß und Free Wifi. Was will man mehr?!

Schließlich reicht die Zeit noch für einen kurzen Besuch in der Kasaner Kathedrale, die direkt am Newski Prospekt liegt und nach dem Vorbild des römischen Petersdoms Anfang des 19. Jahrhunderts errichtet wurde. Hier hält sich der Menschenauflauf in Grenzen, vielleicht weil die Kirche nicht zu den Top-Sehenswürdigkeiten der Stadt zählt. 

Kasaner Kathedrale am Newski-Prospekt in St. Petersburg
Kasaner Kathedrale am Newski-Prospekt

Und schon ist unsere freie Zeit abgelaufen. Man will ja auch nicht zu spät kommen, das Schiff fährt im Zweifel ohne uns. Beim Auslaufen sitzen wir im Restaurant „Gosch Sylt“ draußen an Deck und werfen beim gemütlichen Fisch essen einen letzten Blick auf St. Petersburg. Vermutlich werde ich diese russische Millionenstadt nie wieder betreten. Sie hat sicherlich ihren Reiz und wir haben versucht, so viele Eindrücke wie nur möglich zu erhaschen. Wahrscheinlich haben wir einige der Highlights nicht sehen können: wie die beeindruckende Kunstsammlung der Eremitage oder das Innere der Bluterlöser-Kirche. Dennoch bin ich froh, dass ich einen klitzekleinen Einblick in die Welt der russischen Zaren und die Geschichte Russlands erhaschen konnte. Um mit Russland so richtig warm zu werden, um es auf meine Bucketlist für weitere Reisen zu setzen, hat es aber für mich nicht gereicht. 

Bye Bye St. Petersburg!
Bye Bye St. Petersburg!

Mehr zu den weiteren Reisezielen Helsinki und Stockholm erfahrt ihr im vierten und letzten Beitrag zur Kreuzfahrt. Den ersten Teil des Reiseberichtes findet ihr hier, Teil zwei gibt's hier


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