Eine Seefahrt, die ist lustig… - Teil 1

Wenn ich eines richtig entspannend finde, dann aufs Meer zu schauen (auch wenn ich die Berge gleichermaßen liebe, aber das ist eine andere Geschichte). Sehnsüchtig habe ich in Hamburg schon so einige Kreuzfahrtschiffe ein- und auslaufen sehen und wäre am liebsten sofort mit an Bord gegangen. Meine Ängste, seekrank zu werden, meine bessere Hälfte, die von einer Seereise nicht halb so angetan war wie ich und zugegebenermaßen auch die zum Teil nicht gerade Schnäppchen-verdächtigen Preise der Reedereien hatten mich bisher davon abgehalten, so einen Feriendampfer zu besteigen.

Meiner Mama, die auch die Reiselust packte und einem guten Angebot hatte ich es zu verdanken, dass ich letztes Jahr dann doch in See gestochen bin – und schon eines vorab: Ich würde es immer wieder tun!!

Foto Tui Mein Schiff 3
Foto: TUI Cruises GmbH Hamburg

Auf ins Abenteuer: Buchung unserer Reise mit der Mein Schiff 3

Wir haben uns für die Route Ostsee Baltikum mit Helsinki auf der Mein Schiff 3 entschieden. Acht Tage dauerte die Reise und beinhaltete nach dem Start in Kiel Stops in Tallinn, St. Petersburg, Helsinki, Stockholm sowie zwei Seetage. Die Ostsee erschien mir als gutes Fahrtgebiet für Einsteiger, ist sie doch meist weniger unruhig als die „Mordsee“ Nordsee. Gebucht haben wir unkompliziert im Reisebüro. Preislich machte das keinen Unterschied zu einer Online-Buchung über die Tui Cruises-Website. Wir haben uns für den günstigsten Tarif entschieden, der den Nachteil hat, dass man nur eine Kabinenkategorie, nicht aber die Lage der Kabine aussuchen kann. Diese wird vor der Reise dann zugeteilt. Da wir aber ohnehin ahnungslos waren, welches Deck das beste ist und ob Steuer- oder Backbord einen Vorteil bietet, war das für uns völlig ok. 

Schon einige Monate vor der Abreise konnten wir uns mit unserem Buchungscode auf der Tui Website einloggen, das Schiffsmanifest ausfüllen und Ausflüge sowie weitere Zusatzleistungen buchen. Das war sehr komfortabel und einfach und steigerte die Vorfreude sehr. Außerdem kann man auf der Seite auch schon mal einen virtuellen Schiffsrundgang machen. Kurz vor Reiseantritt habe ich mir auf die Mein Schiff-App heruntergeladen, mit der man nicht nur sein Bordkonto immer im Blick hat, sondern über die man auch Ausflüge buchen oder das aktuelle Bordprogramm anschauen kann. Die App funktioniert auch ohne Internetempfang, man muss sich lediglich mit dem Bord-WLAN verbinden. 

Trotz der guten Vorbereitung stieg die Aufregung vor der Abfahrt ganz schön, insbesondere als ich erfahren habe, dass ich als werdende Mama an Bord gehen werde.* Aber die Vorfreude auf das neue Abenteuer überwog am Ende doch. 

Alle Mann an Bord!

Aus Hamburg reisen wir ganz bequem mit Chaffeur-Service durch meine bessere Hälfte nach Kiel. Am Hafen sieht man schon aus einiger Entfernung unser schwimmendes Hotel, das an diesem Tag am Anleger auch noch in Gesellschaft der „Mein Schiff 6“, dem neusten Gefährt der Tui Flotte, hat. Unsere Koffer müssen wir nur wenige Meter vom Parkplatz zum Terminal selbst transportieren: Schon vor dem Eingang wird unser Gepäck von freundlichen Mitarbeitern in Empfang genommen und aufs Schiff transportiert. Hier zeigt sich, wie unfassbar gut die Kreuzfahrt-Anbieter organisiert sind. An jeder Ecke steht Personal für Fragen und Einweisungen bereit. Als wir gegen Mittag das Terminal betreten, hat der Check-in noch nicht begonnen. Entsprechend lange Schlangen bilden sich vor den Schaltern. Doch schon währen der Wartezeit beginnt der All inclusive-Service: Wasser und Eistee sorgen dafür, dass hier niemand dehydriert. 

Nun haben wir also Zeit, uns das Publikum auf dem Schiff mal näher anzuschauen und auf den ersten Blick bestätigt sich das Vorurteil, das man von Kreuzfahrt-Passagieren so hat: Das Durchschnittsalter unserer Mitreisenden mit weißem Haupthaar liegt gefühlt bei rüstigen 70 Jahren. Zwischen den Wartenden lugt nur hin und wieder auch mal ein jüngeres Pärchen oder eine Familie mit kleinen Kindern zwischen den beigen Trekkinghosen der älteren Herrschaften hervor. Das mag an der Reisezeit liegen (keine Ferien) oder auch an der Route, die eher auf kulturell interessiertes Publikum ausgerichtet ist.

Sobald die zahlreichen Schalter geöffnet sind, geht es zügig voran. Auch hier muss man die perfekte Organisation loben, denn eine Mitarbeiterin behält stets im Blick, welcher Schalter gerade frei geworden ist und weist den Leichtmatrosen den Weg. Beim Check-in wird ein Foto für die Bordkarte geschossen und die Funktionsweise dieser erklärt. Danach geht’s nur noch durch die Sicherheitsschleuse bevor wir uns endlich auf den Weg an Bord machen können, wo wir ebenfalls sofort freundlich begrüßt und auf die Führungen für Mein Schiff-Neulinge aufmerksam gemacht werden. Wir entschließen uns jedoch, unser schwimmendes Hotel zunächst auf eigene Faust zu erkunden so lange unsere Kabine noch nicht bezugsbereit ist und uns erstmal der kulinarischen Front zu widmen. 

Essen soweit das Auge reicht - Restaurants auf der Mein Schiff 3

Es gehört zu den gängigen Vorurteilen, dass Kreuzfahrer das Schiff nicht ohne beträchtliches Zusatzgewicht wieder verlassen.  Und schon innerhalb der ersten Stunde an Bord stellt sich heraus, dass nur Menschen mit enormer Disziplin und Willenskraft (oder ohne jede Vorliebe für kulinarische Genüsse) ohne neue Fettpölsterchen die Heimreise antreten werden. Elf Restaurants und Bistros sowie 13 Bars und Lounges laden zum Schlemmen und Durst löschen ein. Beim ersten Gang durch das Buffet-Restaurant „Anckelmannsplatz“ können wir nicht widerstehen und suchen uns gleich einen Tisch an der großen Fensterfront, um unser Seefahrtabenteuer mit einem zünftigen Mittagessen zu beginnen. Warme und kalte Speisen, Suppe, Salat, Eis, Dessert, frisch gebackenes Brot – hier bleibt kein Wunsch offen: Alles sieht frisch und appetitlich aus und schmeckt bis auf wenige Ausnahmen auch wirklich gut. Das gleiche gilt für das Frühstück im Buffet-Restaurant. Eine große Auswahl an Brot und Brötchen, Müsli, Obst, Joghurt, Käse, Aufschnitt, fruchtigen Aufstrichen, Eierspeisen (u. a. auch Omelett zum selbst zusammenstellen), Bohnen, Speck und Würstchen etc. garantiert einen hochkalorischen Start in den Tag. Auch eine Theke mit Gluten- und Laktosefreien Speisen steht für Gäste mit besonderen Ernährungsanforderungen bereit.

Im Laufe der Woche probieren wir natürlich auch noch einige der anderen Restaurants aus, wobei uns besonders das Menü-Restaurant „Atlantik Klassik“ (siebe Bildergalerie) überzeugt. Hier ist die Auswahl zwar nicht so überbordend wie im Buffet-Restaurant, dafür profitiert man vom Service am Tisch und einer ruhigen und entspannten Atmosphäre, während man sich bis zu fünf Gänge schmecken lassen kann – und das völlig ohne Zusatzkosten! Nicht nur fürs Dinner besuchen wir das Atlantik Klassik gern, auch beim Frühstück genießen wir es hier,  uns ohne Hektik an dem etwas kleinerem Buffet zu bedienen.

Dem „Atlantik Mediteran“ statten wir nur zwei Besuche (einmal zum servierten Frühstück, einmal zum Abendessen) ab. Das Frühstück am Tisch überzeugt uns nicht, die selbst gemachten Nudeln am Abend muss ich aber sehr loben, denn sie waren wirklich köstlich!

Hervorheben muss ich auch die Backstube, die täglich von früh bis spät frische, abwechslungsreiche und köstliche Backwaren feil bot. Ganz besonders das Tiroler Gewürzbrot hatte es uns angetan, das nur mit ein bisschen Butter und Salz allein schon als Abendbrot gereicht hätte. Zu gern hätten wir davon einen Laib mitgenommen, was aber leider nicht angeboten wurde. Daher bleibt uns nur, den Daheimgebliebenen davon vorzuschwärmen :)

Für Fischliebhaber ist sicherlich auch ein Besuch bei „Gosch Sylt“ lohnend. Hier wird man ebenfalls am Platz bedient und kann sich aus einer ordentlich großen Karte sein Menü zusammenstellen. Dies ist grundsätzlich ebenfalls im Preis inbegriffen. Für Spezialitäten wie Hummer oder Austern sind jedoch Zuzahlungspreise ausgewiesen. Das Restaurant mit Außenbereich liegt ganz hinten auf dem Schiff, was einem einen tollen Ausblick beschert, wenn man sein Dinner z. B. beim Auslaufen genießt. Neben dem schmackhaften Fischvariationen ist mir besonders das Salatdressing mit geröstetem Sesam in Erinnerung geblieben – unbedingt probieren! Seit dem bin ich auf der Suche nach diesem Dressing, das es nicht bei Gosch im Onlineshop gibt. Wenn jemand einen Tipp hat, dann gerne her damit! :)

Die Mein Schiff 3 bietet darüber hinaus noch einige weitere Gourmet-Restaurants von japanischen Spezialitäten bis zum hochwertigen Steakhouse, in denen gegen Aufpreis gespeist werden kann. Dieses Angebot haben wir in der einen Woche nicht wahrgenommen, da wir es nicht einmal geschafft haben das komplette All Inclusive Angebot abzuklappern. So kann ich keine Aussage über das „Tag- & Nacht-Bistro“ treffen und auch zur „Außenalster“ (Bar + Grill) haben wir es nicht geschafft. 


Im nächsten Teil erzähle ich euch mehr von den Freizeitmöglichkeiten an Bord sowie den besuchten Reisezielen. 


*Bei Tui Cruises darf man noch bis zur 24. Woche mitfahren, danach ist es aufgrund der dafür nicht ausgelegten medizinischen Versorgung nicht mehr gestattet (im Zweifel bei der jeweiligen Reederei erkundigen!). Daher habe ich meinem Frauenarzt zwei Tage vor Abfahrt doch noch schnell einen Besuch abgestattet und mir das Ok geholt, dass ich beruhigt reisen kann. Die medizinische Versorgung an Bord der Mein Schiff-Flotte ist zwar ausgesprochen gut, für werdende Mütter oder gar Geburten sind sie aber natürlich nicht ausgestattet. Da man auch viele Medikamente, die im Bordhospital zur Verfügung stehen, nicht nehmen darf, ist es ratsam, eine eigene Reiseapotheke dabei zu haben, um im Fall der Fälle auch gegen Seekrankheit gewappnet zu sein. 

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