Meeresbrise & Entspannung - ein Besuch im Beach Motel Heiligenhafen

Ich bin ein großer Fan des Beach Motels in St. Peter-Ording. Nicht nur die Lage am unendlich langen Strand, auch die Atmosphäre dort versetzt mich sofort in Urlaubsstimmung. Daher habe ich auch den Neubau des Schwester-Hotels in Heiligenhafen gespannt verfolgt und bin Anfang Februar der Frage nachgegangen, ob der Nachfolger an der Ostsee mit dem Wohlfühl-Hotel an der Westküste mithalten kann. 

Alles groß hier in Holy Harbour!

Schon lange habe ich mich auf dieses Wochenende gefreut: Zwei Nächte im neuen Beach Motel an der Ostsee entspannen und den besonderen Flair, den ich aus St. Peter-Ording kenne, aufsaugen. Die Bewertungen, die ich im Vorfeld des im Dezember neu eröffneten Hotels gelesen habe, zeigten noch einige Schwachstellen auf. Aber wir übernachten Anfang Februar zum einen zu einem Schnäppchen-Preis und zum anderen mache ich mir lieber selbst ein Bild. 

 

Von Hamburg aus ist man eine gute Stunde Richtung Fehmarn unterwegs. Das typisch norddeutsche Wetter hat heute vor allem Grautöne im Angebot und macht daher weniger Lust auf Strandspaziergänge. Dafür freue ich mich umso mehr auf die Sauna-Landschaft und mein Buch. 

 

In Heiligenhafen waren wir noch nie, aber als wir Kurs auf den Strand nehmen, ist das Beach Motel schon von weitem zu sehen. Es wurde auf eine Halbinsel gebaut, die durch einen Binnensee vom Stadtkern getrennt ist. Als wir Richtung Parkplatz fahren, sehen noch einige Gebäude nach Baustelle aus, aber das Beach Motel an sich strahlt in grau und weiß und bezaubert mit seinem Ostküsten-Charme als ob es direkt auf Cape Cod stehen würde. Mein erster Eindruck: Wow, ist das groß!

Es ist noch nicht alles perfekt

Der Parkplatz ist dagegen nicht so riesig und man fragt sich schon, ob hier wirklich alle, die bei Vollbelegung ein Zimmer gebucht haben, auch eine Parklücke finden. Das soll heute aber nicht unser Problem sein, wir huschen schnell rein in die Lobby und freuen uns über die freundliche Begrüßung an der Rezeption. Unser Zimmer ist pünktlich fertig, die Kurkarten schnell ausgestellt und unser Gutschein, den wir eigentlich für das Beach Motel in St. Peter-Ording hatten, lässt sich auch hier problemlos einlösen. Wir schauen auf anraten der Rezeptionistin noch im Restaurant vorbei, um einen Tisch für abends zu reservieren. Auch das "Holy Harbour Café und Grill" wirkt riesig im Vergleich zum "Dii:ke" an der Westküste. Aber an Gemütlichkeit fehlt es auf den ersten Blick trotzdem nicht. Große Gruppentische wechseln sich mit kleineren Tischen für Paare oder Familien ab, dazu gibt es gemütliche Einbuchtungen mit Sitzecken - und das alles vor einer großen Glasfront, die (wenn es nicht gerade so kalt und trüb ist) einen Blick auf die Ostsee gewährt.

 

Nun sind wir aber neugierig aufs Zimmer und begeben uns Richtung Fahrstuhl, wo der erste kleine Mangel auffällt: Im Flur, wo die Gäste auf den Fahrstuhl warten, öffnet sowohl die Tür des Treppenhauses als auch die von der Lobby in Richtung des Fahrstuhles. Da der Flur recht beengt ist, ist das ein echtes Nadelöhr, wo es kaum vor noch zurück geht, wenn man vor dem Lift wartet und andere Gäste aus dem Treppenhaus oder aus der Lobby kommen.  

Hohe Qualität im Zimmer

Im ersten Stock angekommen müssen wir nur wenige Schritte zu unserem "Lake Zimmer" gehen. Auf den ersten Blick ist alles genauso wie in St. Peter, auf den zweiten fällt aber auf, dass die Möbel etwas hochwertiger sind und auch die Größe kommt mir etwas komfortabler vor. Das Bild der Seebrücke über dem Bett macht gleich Urlaubslaune. Es wurde viel Holz verarbeitet, was eine maritime Gemütlichkeit verströmt. Der Balkon ist groß, allerdings ist er nicht von den anderen Zimmern abgetrennt, so dass wir theoretisch jederzeit einen Blick in die beiden Räume rechts und links neben uns werfen könnten. Das ist im Winter nicht so tragisch, im Sommer würde mich das aber ziemlich stören, wenn man draußen sitzen oder die Tür nachts offen lassen möchte. 

Wie die Zimmer-Kategorie verspricht, haben wir einen Blick auf den Binnensee - hinter dem Parkplatz. Das finde ich jetzt nicht so schlimm, sollte man aber bei der Buchung beachten. 

Das Bad ist klein, aber fein. Wenn man den Sichtschutz offen lässt, kann man direkt von der Dusche aufs Bett und hinaus schauen, was umso schöner ist, wenn heißes Wasser den Körper wärmt während es draußen klirrend kalt ist. Darauf freue ich mich schon :-)

Zuerst wollen wir uns aber noch einen kleinen Überblick über unser Domizil und die Stadt verschaffen. Auf dem Weg nach draußen wäre ich am liebsten gleich in der Lobby sitzen geblieben. Sessel, Kissen, Kerzen, Kamin und sanftes Licht heißen die Gäste willkommen. Von Einrichtung verstehen die Beach Motel-Planer was! Hier kann man sich zu jeder Tageszeit richtig wohlfühlen. 

Heiligenhafen - im Winter eher eine Geisterstadt

Dick eingemummelt in Schal und Mütze geht es erstmal auf die Seebrücke, die einige hundert Meter in die Ostsee hineinragt und auf der man sogar heiraten kann. Sie hat mehrere Ebenen und Plattformen, wo man sich im Sommer die Sonne ins Gesicht und im Winter die Haare durchpusten lassen kann. 

Über eine kleine Promenade machen mit einigen Geschäften, in denen man u. a. Einrichtungsgegenstände des Hotels kaufen kann (Beach Motel-Feeling für Zuhause), geht es Richtung "Stadt". Ich habe die Bezeichnung ganz bewusst in Anführungsstriche gesetzt, denn als richtige Stadt kann man den Ortkern nicht bezeichnen. Einige Restaurants, ein paar kleine Läden, die an diesem Freitagnachmittag allerdings schon geschlossen haben und ein großes Kaufhaus sind alles, was es hier zu sehen gibt. Viele Häuser sehen verlassen aus - sei es, weil es Ferienwohnungen sind, sei es, weil schon jahrelang niemand mehr drin wohnt. Wirklich viel zu erleben gibt es also nicht und so machen wir uns wieder auf in unser Wochenenddomizil. 

 

Holy Harbour Café & Grill - Bei Auswahl und Preis noch nachbesserungswürdig

Den Rest des Nachmittages verbringen wir aufgrund meiner kleinen Erkältung im Bett eingekuschelt, lesen und schauen fern. Muss ja auch mal sein!

Heute finde ich es unheimlich praktisch, dass wir direkt im Hotel essen. Man muss sich nicht erst wieder dick anziehen und raus in die Kälte, sondern kann entspannt direkt vom Bett zum Restaurant schlendern. In der Annahme, dass das Restaurant-Konzept analog zum Vorgänger an der Nordsee ist, haben wir vorher keinen Blick auf die Karte geworfen. Das stellte sich nun als Fehler heraus: Die Abendkarte ist ziemlich klein: Nur drei Tellergerichte, eine Auswahl an Fleisch und Fisch sowie einige Beilagen und drei Nachtisch-Varianten lesen wir hier. Grundsätzlich spricht ja nichts gegen eine kleine Karte, allerdings vermissen wir eine etwas vielfältigere Auswahl. Zum Stück Fleisch oder Fisch müssen sämtliche Beilagen separat bestellt (und bezahlt!) werden. So summiert sich meine Maispoulardenbrust mit Pfefferrahmsauce und Kartoffelstampf auf knapp unter 20 Euro. Der Ehemann tut sich schwer mit einer Entscheidung und wählt schließlich Garnelenspieße mit Pommes. Beide Gerichte waren relativ schnell am Tisch, haben uns gut geschmeckt und waren qualitativ absolut in Ordnung, auch wenn mein Kartoffelstampf nur noch lauwarm war. Der Service kann sicher noch dazu lernen, aber auch da gibt es an Freundlich- und Schnelligkeit nichts zu meckern. Nur der Preis war für ein Abendessen mit zwei Hauptgerichten und einem geteilten Nachtisch (zwei selbstgemachte Kugeln Eis, sehr gut!) wirklich happig. Für den Samstag nehmen wir uns eine Alternative vor. 

Bevor es zurück ins heimelige Zimmer geht, werfen wir noch einen Blick in die Flamingo Bar, die zu diesem Zeitpunkt gut besucht ist. Auch hier kann man den Abend entspannt ausklingen lassen. 

 

Vielfältiges Frühstücksbuffet

Auf das Frühstück freue ich mich mit am meisten. Ich liebe ein ausgiebiges Frühstück und im Beach Motel in St. Peter-Ording gibt es den besten Frühstücksspeck der Welt, ehrlich! Nicht mal Zuhause habe ich ihn bisher so vollends knusprig hinbekommen. Auch die liebevolle Drapierung der Speisen oder den selbst zusammengerührten Frischkäse mit Frühlingszwiebeln schätze ich in meinem Lieblingshotel an der Westküste. Daher sind meine Erwartungen natürlich auch hier hoch.  

Das Buffet ist für gewöhnlich nicht im Zimmerpreis enthalten und kostet 11,90 Euro pro Person/Tag. Das Frühstücksangebot ist dafür vielfältig und bietet für jeden Geschmack etwas: Wer Süßes liebt, wird hier ebenso fündig wie Freunde des deftigen Starts in den Tag. Von der Marmelade über den Fleischsalat bis zum Müsli ist soweit alles vorhanden, was zu einem guten Frühstück dazu gehört. Auch die Kaffeespezialitäten mit Elbgold-Bohnen sind im Preis enthalten, genauso wie eine große Auswahl an Samova-Tees. Der Speck ist zumindest am ersten Tag richtig gut gebraten. Besser geht's nicht - auch wenn ich die kleinen feinen Spezialitäten aus St. Peter etwas vermisse und die sehr kleine Frischetheke mit Wurst, Käse, Quark und Obstsalat für lange Schlangen sorgt. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Für den Sommer und ein ausgebuchtes Hotel wäre aber wohl eine zweite Kühltheke anzuraten.

Der Strand-Test

Auch wenn der Himmel an diesem Samstag ganz und gar nicht einladend aussieht, wollen wir uns heute an den Strand wagen. Der ist natürlich kein Stück vergleichbar mit dem endlosen langen und breiten Nordseestrand, hat aber einen entscheidenden Vorteil: Das Wasser der Ostsee zieht sich nicht zurück. So können wir bei knappen Null Grad entspannt am Ufer spazieren und mit den Fingerspitzen die Temperatur der ruhigen See testen. Der Strand in Heiligenhafen ist zwar nicht so breit wie in St. Peter, aber verstecken muss er sich nicht. Im Sommer könnte es allerdings etwas voll werden, wenn sämtliche Feriengäste (womöglich in Strandkörben) hier einen Platz an der Sonne finden wollen. An einem frostigen Februar-Tag sind wir am Vormittag allerdings fast die einzigen, die Seeluft schnuppern.  

Relaxen im Spa

Nach einer ausgiebigen Runde ist uns dann aber nach Wärme zumute und wir schlüpfen in Badeanzug und -shorts, werfen uns den Bademantel über und fahren mit dem Fahrstuhl ins Untergeschoss, wo die Wellness-Oase auf uns wartet. Auch diese ist normalerweise nicht im Zimmerpreis enthalten und kostet 7 Euro pro Zimmer/Tag extra. Am kleinen Pool ist um die Mittagszeit noch nichts los, so dass wir in Ruhe ein bisschen plantschen können (von Schwimmen kann bei der Größe des Beckens weniger die Rede sein). Das Ambiente ist sehr schön, rund um den Pool sind Liegeinseln aufgebaut und die Beleuchtung ist schmeichelnd.

 

Im Sauna-Bereich suchen wir uns zunächst einen Platz in einem der drei noch komplett leeren Ruheräume, die liebevoll gestaltet sind. Ein Kaminzimmer mit Bildschirm-Feuer, ein klassischer Ruheraum und eine Bibliothek mit sparsamer Beleuchtung laden zum Verweilen ein. Wer meinen Blog kennt, ahnt für welche Variante ich mich entschieden habe: Richtig, in der Bibliothek schlagen wir unser Lager auf, auch wenn uns die Temperatur nach dem Schwimmbad-Besuch ein wenig kalt vorkommt. Daher starten wir erst einmal mit der Bio-Sauna, die großzügigen Platz und ein Fenster Richtung Strand bietet. Leider sieht man aufgrund eines Glas-Sichtschutzes wenig vom Meer, dennoch ist das Tageslicht angenehm.  

Für ausreichenden Flüssigkeitsnachschub sorgt ein Wasserspender, der Tasten für heißes und kaltes Wasser bietet, allerdings heute nur lauwarmes Wasser ausspuckt. An der Westküste wird neben Wasser auch Samova-Tee in der Sauna angeboten, was ich einen großartigen Service finde, hier aber nicht bemängeln will. Eventuell ist das für die Zukunft geplant, die Vorrichtung ist ja bereits vorhanden.

 

Neben der Bio-Sauna gibt es noch eine finnische sowie eine Dampfsauna. Beide haben wir getestet und für gut befunden. Auch die Temperatur im Ruheraum war im Bademantel und mit einer der ausgelegten Decken vollkommen in Ordnung. Der Saunabereich ist außerdem mit mehreren Fußbecken ausgestattet, die zum Verweilen einladen.

 

Gegen Nachmittag wird es deutlich voller, insbesondere der Pool ist inzwischen von einigen Kindern in Beschlag genommen worden, so dass wir uns nach drei Schwitzgängen wieder in unser Zimmer zurückziehen und dort noch ein wenig weiter entspannen. Im Spa besteht auch die Möglichkeit, sich verschiedene Wellness-Anwendungen zu gönnen, was wir an diesem Wochenende allerdings nicht wahrgenommen haben.

 

Für den Abend beherzigen wir den Tipp einer Freundin und schauen bei „Al Mare“, einem Italiener gleich gegenüber des Yachthafens vorbei. Das Restaurant ist gut besucht, so dass wir an einem Tisch mit einem älteren Ehepaar landen, das uns freundlicherweise die beiden freien Plätze überlässt. Das Ambiente ist nett, das Essen solide und der Service freundlich - eine gute Alternative, die fußläufig erreichbar ist. Überhaupt ist die Restaurant-Situation etwas entspannter als in St. Peter, da dort das Beach Motel im Stadtteil Ording liegt, wo es neben dem Hotel-Restaurant kaum Schlemmer-Möglichkeiten in kürzerer Distanz gibt. 

Die Spelunke ist einen Besuch wert!

Einen Absacker nehmen wir dann allerdings wieder auf unserer Halbinsel, in der „Spelunke“, gegenüber des Beach Motels. Hier ist mit der Bretterbude ein weiteres Hotel der Beach Motel-Betreiber entstanden, das auch kleine Zimmer zum günstigen Preis, gleichzeitig aber auch größere Ferienappartements anbietet. Die dazugehörige Bar hat ihren ganz eigenen Charme und ist einer alten Hafenkneipe nachempfunden. Die Cocktails sind auf jeden Fall kompetent gemixt und der selbstgemachte Rhabarberschnaps eine Kostprobe wert. Insgesamt scheint die Stimmung und die Klientel in der Bretterbude etwas relaxter zu sein als im größeren Nachbarhotel. Dazu gehört mit dem "Strandschuppen" auch noch ein Selbstbedienungsrestaurant, das wir allerdings nicht getestet haben. 

Fazit: Alles in allem muss man sagen, dass ich mir ein klitzekleines bisschen mehr vom neuen Beach Motel-Ableger erhofft habe. Auch wenn es keine größeren Mankos gibt, die Zimmer toll und der Service freundlich ist, würde ich das Vorgänger-Hotel an der Nordsee bevorzugen. Dort fühle ich mich beim ersten Schritt auf die Holzdielen wie bei Freunden. Dem Personal nehme ich den Surfer-Lifestyle dort schlicht mehr ab als es in Heiligenhafen der Fall ist, wo alles noch etwas zu bemüht und dadurch weniger authentisch erscheint. Aber hier muss man den Angestellten wohl einfach noch etwas mehr Zeit zugestehen. Möglicherweise liegt es aber auch einfach an meiner Vorliebe für die Nordsee, die mir schon immer mehr Urlaubsgefühl vermittelt hat als die Ostsee. 

Beim nächsten Heiligenhafen-Besuch mit Übernachtung würde ich aber auf jeden Fall noch die Bretterbude testen, die auf uns etwas charmanter gewirkt hat. 

Nichtsdestotrotz ist das Beach Motel in Heiligenhafen einen Besuch wert. Es lässt sich hier ebenso gut entspannte Ferien verbringen wie an der Nordsee.


Für alle, die selbst testen wollen:

Bis einschließlich März 2017 gibt es von Sonntags bis Donnerstags noch Eröffnungsschnapperpreise: 59 Euro pro Zimmer/Nacht inkl. Nutzung des Spa-Bereiches. Frühstück kostet extra.

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