Das Café am Rande der Welt - 128 magere Seiten über den Sinn des Lebens

"Das Café am Rande der Welt“ von John Strelecky ist ein vielseitig gelobtes Buch. Der Autor hält heute Vorträge, Seminare und Workshops zu einem glücklicheren und erfolgreicheren Leben. Als ich sein Werk erstmalig in den Händen hielt, begegnete ich dem Buch allerdings schon mit Skepsis: Ein so dünnes Buch über den Sinn des Lebens? Was kann da schon drin stehen? Die Aufmachung des Covers und die Illustrationen im Innenteil gefielen mir allerdings ganz gut und so beschloss ich, dem Buch eine Chance zu geben.

Buchcover Das Café am Rande der Welt

John, einem mit seinem Leben unzufriedenen Manager, geht es wie tausenden Menschen zur Urlaubszeit: Statt Erholung zu finden, landet er direkt im nächsten Stau. Um sich seinem Schicksal nicht einfach zu ergeben, sucht er einen Weg, um die Autokarawane zu umfahren: „Ich hatte die Reise unternommen, um Frustration zu vermeiden. Davon gab‘s zu Hause reichlich, im Job, mit Rechnungen und in gewissem Maße mit dem Leben im Allgemeinen.“ Am späten Abend irrt John also in einer ihm unbekannten Gegend herum und während die Tanknadel beständig sinkt, steigt seine Frustration. Schließlich landet er mitten im Nirgendwo am „Café der Fragen“.

 

Dort findet er nicht nur ein umfangreiches Frühstück mitten in der Nacht, sondern mit Kellnerin Casey, Gast Anne sowie Küchenchef und Cafébesitzer Mike ein philosophisches Trio vor. Auf der Speisekarte ziehen drei Fragen Johns Aufmerksamkeit auf sich: 

Warum bist du hier?
Hast du Angst vor dem Tod?
Führst du ein erfülltes Leben?

 

Mit der Hilfe von Casey, Mike und Anne versucht John diesen zentralen Fragen, um die sich das Buch dreht, auf den Grund zu gehen: „Sobald jemand weiß, warum er hier ist, wird es härter und emotional schwieriger für ihn sein, diese persönliche Bestimmung nicht zu verwirklichen.“ Alle drei erzählen John Geschichten aus ihrem Leben, um die Botschaft zu verdeutlichen: „Unsere Aufgabe besteht darin zu erkennen, dass uns etwas erfüllt, weil wir es selbst nun einmal so empfinden, und nicht, weil jemand anderes uns sagt, dass es erfüllend sei.“

 

Schon an diesem Punkt, bei etwa der Hälfte der Geschichte, hätte ich das Buch zuklappen sollen. Spätestens jetzt zogen sich die Seiten für mich wie Kaugummi. Protagonist John stellte sich für meine Begriffe reichlich begriffsstutzig an (der soll Manager sein!?!) und benötigte für seine Erkenntnisse deutlich mehr Zeit als ich sie ihm zugestehen wollte. Auch stilistisch ist der Text kein Meisterwerk und spätestens wenn Mike zum zehnten Mal „schelmisch grinst“ und Casey „verschmitzt lächelt“, rolle ich „dramatisch mit den Augen".

 

Die Botschaft der Geschichte an sich finde ich ja aller Ehren wert, neu ist sie allerdings nicht, schon im „Club der toten Dichter“ wusste man, was heute zahlreiche Tassen, Poster und Facebook-Seiten schmückt: „Carpe diem!“. Warte nicht auf morgen, um zu tun, was du dir erträumst, denn die Zeit des Lebens ist kurz. Und auch den Spruch „Wähle einen Beruf, den du liebst und du brauchst keinen Tag im Leben zu arbeiten“ von Konfuzius hat jeder zumindest auf irgendeinem Coaching-Portal schon mal gelesen. Für mich weisen sie alle in eine Richtung: Fang etwas Sinnvolles mit deinem Leben an und tue das, was dich persönlich erfüllt und nicht weil „man es eben so macht“ oder weil man es von dir erwartet.

 

Es kann sicherlich nicht schaden, sich das öfters mal vor Augen zu führen. Führe ich wirklich das Leben, das ich mir wünsche? Und wenn nicht, was kann ich tun, um das zu ändern? Aber dieses Buch hat mich dabei leider nicht weiter gebracht. Ich hätte mir gewünscht zu erfahren, wie John mit seinen neu gewonnen Erkenntnissen umgeht. Was hat er getan, um sich selbst diese Fragen zu beantworten? Wie hat seine Umwelt reagiert? Wie ist er mit Niederlagen umgegangen? Ihn auf seinem tatsächlichen Weg zu begleiten, hätte ich inspirierend und interessant gefunden. So bleiben für mich am Ende nur einige (zugegebenermaßen sinnvolle) Zitate, die allein ausgereicht hätten, um den Inhalt des Buches wiederzugeben: „Das ganze Leben ist eine tolle Geschichte […] Einige Menschen erkennen bloß nicht, dass sie selbst die Autoren sind und die Geschichte so schreiben können, wie sie es möchten.“

 

 

Fazit: Ich bin leider enttäuscht, obwohl ich nicht einmal viel erwartet habe. Vielleicht kann es dem ein oder anderen eine Initialzündung für ein neues Leben geben, wenn man es in einer bestimmten Lebensphase liest, mich hat es aber einfach nicht gepackt. Eine nette Lektüre für zwischendurch – nicht weniger, aber leider auch nicht mehr. Schade!

 

 

 

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