Who the fuck is Fitzek? - Multimediashow zur Lesung von "Das Paket"

 

Zehn Jahre, 14 Psychothriller und eine Gesamtauflage von gut sechs Millionen: Auch nach diesen Erfolgen schafft es Sebastian Fitzek noch mich mit seinem neusten Werk „Das Paket“ in den Bann zu ziehen. Mit einer Multimedia-Show zum neuen Buch eröffnete der Autor das diesjährige Hamburger Krimifestival und bewies einmal mehr, dass nicht nur seine Bücher fesselnd sind, sondern dass die Person Fitzek auch ein echter Entertainer ist.

Foto: Stefanie Kapra / Hamburger Krimifestival
Foto: Stefanie Kapra / Hamburger Krimifestival

Ein regnerischer Dienstag Anfang November in Hamburg bietet die perfekte Einstimmung auf das anstehende Krimifestival der Hansestadt. Die Eröffnung übernimmt einer der erfolgreichsten deutschen Schriftsteller in Deutschland und sorgt damit bereits gut eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung für einen Menschenauflauf, der sich durch das komplette Foyer von Kampnagel schlängelt. Die Karten waren innerhalb von Stunden ausverkauft und jetzt will hier auch keiner in der letzten Reihe sitzen, wenn Sebastian Fitzek sich zu seinem 10-jährigen Autorenjubiläum die Ehre gibt.

 

Ich bin schon seit einigen Jahren Stammleserin von seinen Psychothrillern und kaufe mir schnell „Das Paket“, das eben als solches auch verpackt ist, bevor ich mich in Schlange der Wartenden einsortiere. Das Buch zu lesen – davon muss mich die Lesung nicht erst überzeugen. Schon seit Wochen bin ich gespannt darauf, wenn auch mit dem kleinen nagenden Zweifel, ob Fitzek es erneut schafft, mich im Lesesessel zu fesseln. Das ein oder andere Mal hatte ich in der Vergangenheit schon das Gefühl, dass sich die Systematik der Stories wiederholt und ich die Hintergründe schneller herausfand als mir lieb war. Zudem war ich von seiner unter dem Pseudonym "Max Rohde" veröffentlichten "Blutschule" nicht ganz so angetan. 

sebastianfitzek.de
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Dennoch bin ich neugierig, was sich Fitzek mit seinem Team diesmal ausgedacht hat, um das Publikum zwei Stunden lang zu unterhalten. Eine Lesung eines Krimis ist stets eine Gratwanderung: Sie soll den Appetit auf den litarischen Leckerbissen wecken, aber nicht schon das ganze schaurige Menü präsentieren. Fitzek versteht es auf diesem Drahtseil gekonnt zu wandern. Zehn Jahre nach der Veröffentlichung seines ersten Romanes hat er sich zur Unterstützung die Band „Buffer Underrun“ eingeladen. Sie ergänzen die Bilder im Kopf mit dem passenden unheimlichen Soundtrack. Im Hintergrund sorgt eine große Leinwand mit grafischen Animationen für den Eindruck, man befände sich direkt am Ort des Geschehens – zum Beispiel im Kinderzimmer von Emma Stein, der Hauptfigur von „Das Paket“. Die inzwischen erwachsene Psychiaterin glaubt Opfer einer Vergewaltigung geworden zu sein und fühlt sich fortan verfolgt. Sie konnte den Mann, der ihr das Verbrechen angetan hat, nicht erkennen und kann auch sonst kaum hilfreiche Hinweise geben, die zur Ergreifung führen könnten. Hinzu kommt, dass keiner ihr zu glauben scheint, nicht einmal ihr Mann, der selbst bei der Kriminalpolizei tätig ist. Sie verlässt das Haus nicht mehr und empfängt auch keine Gäste. Ihre ohnehin schon brüchige Welt wird noch mehr auf den Kopf gestellt als sie ein Paket für einen Nachbarn, von dem sie noch nie gehört hat, annimmt. Nur so viel sei weiter verraten: Der mysteriöse Nachbar spielt nicht die Rolle, die ihm vermeintlich zugewiesen wird.

 

 

Fotos: Stefanie Kapra / Hamburger Krimifestival

Die Lesung selbst vergeht wie im Flug. Gespickt mit kleinen unterhaltsamen Facts aus seinem Leben, mal als Fotopräsentation mit gewollt peinlichen Kinder- und Jugendfotos, mal als Video einer Straßenumfrage zu Fitzek vor einer Buchhandlung, bringt der Autor seine Fans zum Lachen und sorgt für ein Gefühl der Nähe, das nur wenige Autoren auf diese Weise vermitteln können. Höhepunkt ist dabei das gemeinsame Singen des Smokie-Klassikers "Who the fuck is Alice", mit umgetexteten deutschen Strophen, in denen Fitzek seine Selbstironie beweist. „Who the fuck is Fitzek“ schalt es durch Kampnagel - eine überflüssige Frage an diesem Abend. Aber vielleicht gibt es ja doch noch den ein oder anderen, der noch nie etwas von dem diesjährigen Preisträger des Europäischen Preises für Kriminalliteratur gehört an. Dem sei "Das Paket" vielleicht nicht als erste Fitzek-Lektüre ans Herz gelegt, da würde ich eher sein Erstlingswerk "Die Therapie" empfehlen. Grundsätzlich könnte ich das Buch aber allen Thriller-Fans guten Gewissens auf den Nachttisch legen, denn es hält, was der Erfolg des Autors verspricht: Einen spannenden Lesegenuss mit vielen unerwarteten Wendungen, die bis zum Schluss das wahre Motiv verbergen. Angemerkt sei, dass einige Erzählstränge stark übertrieben sind und zum Teil etwas in die Abstrusität abgleiten. Das kennt man aber schon von Fitzek (z. B. von "Der Nachtwandler") und es passt meiner Meinung nach stilistisch hervorragend in die Gesamtstory, bei der man nie weiß, was Wahrheit ist oder Emmas Fantasie entspringt. Aus diesem Grund ist das für mich kein Manko, sondern Teil der Kunst. Zum Schluss wird zwar einiges aufgeklärt, offene Fragen bleiben aber dennoch, was ich an solchen Geschichten schätze, denn so kann ich mir die fehlenden Zusammenhänge selbst erdenken :)

 

Die letzten Seiten bestehen anlässlich seines Jubiläums aus Fan-Briefen an den Autor. Das hätte man ein wenig kürzer fassen können, dennoch waren einige witzige und auch bewegende Anekdoten darunter, die zeigen, wie Bücher das Leben eines Menschen beeinflussen können. Ich habe das Buch in nur einem Tag verschlungen und freue mich schon jetzt auf die nächste Fitzek-Veröffentlichung!  

 

Habt ihr das Buch auch gelesen? Was ist eure Meinung dazu? Ich freue mich über eure Kommentare!

 

 

 

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Kommentare: 5
  • #1

    Steffi (Dienstag, 27 Dezember 2016 16:32)

    Tolle Rezi! Ich war auch bei seiner Live-Show in München dabei. War zwar etwas überfüllt, aber wirklich ein Erlebnis wert.
    Liebe Grüße,
    Steffi

  • #2

    Anne (Mittwoch, 28 Dezember 2016 16:32)

    Danke, liebe Steffi!

  • #3

    Julia | Literameer (Mittwoch, 04 Januar 2017 14:02)

    Liebe Anne,

    schöner Bericht! Eine Lesung von ihm würde ich auch gerne mal besuchen, das ist bestimmt ein besonderes Highlight.

    Liebe Grüße,
    Julia

  • #4

    Anne (Mittwoch, 04 Januar 2017 14:26)

    Danke, liebe Julia!
    Ich war inzwischen schon auf mehreren Fitzek-Lesungen und kann das unbedingt empfehlen! Aber du musst schnell sein, Karten sind immer ruckzuck weg!
    Liebe Grüße
    Anne

  • #5

    Sweetyevs (Mittwoch, 04 Januar 2017 19:56)

    Tolle Rezi!!
    Das Buch hat mir Wirklich gut gefallen und ich stimme dir in eigentlich allen Punkten zu