Der Kampf mit den Riesennadeln - mein erstes Strickprojekt

Nach einigen Jahren Strickerfahrung, die sich allerdings vor allem auf einfache Schals und Mützen beschränkt, wage ich mich nach langer Zeit wieder mal an ein "richtiges" Kleidungsstück.

Meine ersten Strickversuche machte ich etwa mit 10 Jahren. Unfähig Nadeln, Wolle und Finger in die richtige Position zu bringen, gepaart mit einem ungeduldigen Wesen, brachte ich trotz mühevoller Anleitung meiner Mutter keine Masche zustande. Nach nicht mal einer Stunde landeten die starren Nadeln, die von schwitzigen Fingern filzige Wolle und meine Wille, mehr Zeit in dieses Hobby zu investieren, in der Ecke.

 

Es hat ziemlich lange gedauert bis ich mich erneut an die Handarbeit gewagt habe. Erst mit Anfang 20 hatte ich während meines Studiums nicht nur die Zeit, sondern auch den Wunsch, etwas mit eigenen Händen herzustellen. Also nahm sich meine Mutter erneut eine Stunde, mir die ersten Handgriffe zu zeigen und siehe da: Es funktionierte! Rasch hatte ich die ersten Maschen gestrickt und dieses Erfolgserlebnis beflügelte mich derart, dass ich mich ziemlich schnell an einem Top versuchte. Das schaffte ich zwar und es sah auch gar nicht so übel aus, leider hielt ich aber nicht allzu viel von Maschenproben und somit war das Teil für mich viel zu groß. Danach investierte ich meine Zeit lieber in unzählige Schals sowie einige Mützen und Stulpen. Wann immer ich mit dem Gedanken spielte mich in anderen Wollwaren zu versuchen, hielten mich komplizierte Strickanleitungen mit undurchsichtigen Symbolen und unzureichenden Beschreibungen davon ab.

 

Vor etwa eine Jahr wurde ich dann auf die Stricksets von We are Knitters aufmerksam. Die Wolle sah im Online-Shop so toll aus, dass ich mir sofort ein Paket bestellte und von der Qualität wahnsinnig begeistert war. Trotzdem wagte ich mich nicht sofort an ein „richtiges“ Kleidungsstück, sondern erweiterte meine Schalsammlung. Mehrfach habe ich inzwischen dort bestellt und diverse Wollvarianten ausgetestet. Immer wieder liebäugelte ich auch mit den Sets, die so tolle Strickjacken, Pullover, Tops oder Westen versprachen, bevor ich dann doch nur die Wolle in den Warenkorb klickte.

 

Long story short: Da ich inzwischen so viele Schals in diversen Varianten besitze, wage ich mich diesen Winter an mein erstes Kleidungsstück nach etwa acht Jahren – die Riverside Vest von We are knitters. Das Strickniveau ist mit „Anfänger“ angegeben, somit bin ich ziemlich sicher, dass dieses Projekt nicht scheitern wird. Rasch die passende Farbe ausgewählt (in meinem Fall ein flexibles Taupe, das vielseitig tragbar sein sollte), die Nadeln abgewählt (denn die besitze ich schon seit letztem Jahr) und schon geht mein Set auf die Reise nach Hamburg.

Nach gerade einmal drei Tagen kann ich schon loslegen: Drei Wollknäuel aus 100% peruanischer Schafwolle, eine Anleitung, eine kleine Stopfnadel und ein Etikett packe ich voller Vorfreude aus der Tüte. Die Farbe der Wolle entspricht ziemlich genau der Abbildung im Online-Shop und die Anleitung ist so simpel geschrieben, dass ich keinen Zweifel habe: Diesmal wird‘s was! Von Vorteil ist natürlich, dass die Weste eine Einheitsgröße hat, so bleibt es mir erspart, Maße zu nehmen. Die Maschenprobe mache ich aber trotzdem – um abzuschätzen, ob ich locker genug stricke und zum Einüben des großen Perlmusters, auch wenn ich das schon häufig gestrickt habe. Die großen Stricknadeln mit 32 cm Länge sind zudem immer wieder etwas gewöhnungsbedürftig.

 

Ein bisschen aufgeregt bin ich schon, ob ich diesmal wirklich etwas tragbares anfertige oder nur einen Staubfänger in meiner Schalschublade – das wäre dann allerdings ein recht teures Exemplar. Mit 81 Euro ohne Stricknadeln gehört das Set sicherlich nicht in die Schnäppchen-Kategorie. Ich gebe mir also die größte Mühe, damit ich spätestens zu Weihnachten meine Weste vorführen kann.

Die ersten beiden Seitenteile sind ziemlich schnell fertiggestellt. Das Rückenteil braucht ein wenig mehr Zeit, da ich mit 48 Maschen an die Grenzen der Stricknadeln stoße und somit immer etwas vorsichtig sein muss, dass mir keine Masche ungestrickt von der Nadel fällt. Je mehr Reihen ich stricke, desto deutlicher wird, dass ein paar mehr Muskeln in den Fingern und Armen nicht schaden könnten: Dank dicker Wolle und Holznadeln nimmt das Gewicht des Rückenteils rasant zu. Hier wünsche ich mir doch das ein oder andere Mal leichtere Rundstricknadeln.

Schließlich ist aber auch das Rückenteil recht schnell und unkompliziert gestrickt. Leider bemerke ich erst sehr spät, dass ich an einer Stelle unaufmerksam war und eine Masche falsch gestrickt habe, wodurch sich das Muster verschoben hat. Alle fehlerhaften Reihen wieder zu lösen, ist mir dann aber zu aufwendig und ich beschließe, mit dem nicht ganz so perfekten Rückteil so zu leben. 

 

Nun geht es ans Zusammennähen. Auch dafür gibt es sowohl eine kurze Beschreibung als auch eine Abbildung, die zeigt, wie aus drei Teilen eines entstehen soll. Auch das geht leicht von der Hand und die Form der Weste ist im Nu zu erkennen. Nun noch alle Fäden verstecken und das Label „Proudly knitted by myself“ annähen – fertig ist die Riverside Vest, die zugegebenermaßen nicht ganz so aussieht wie auf der Produktabbildung. Insgesamt ist mein neues Kleidungsstück recht voluminös, was der schönen dicken Wolle geschuldet ist. Für mich kommt daher eigentlich nur ein schmales Top oder eine leichte Bluse als Basis darunter infrage. Ehrlicherweise muss man auch sagen, dass die Weste optisch eher ein, zwei Kilo drauf packt als runter schummelt. Aber dafür ist sie schön warm, weich und und auf entspannte Art lässig.

 

 

Fazit: Der Stolz über mein erfolgreich abgeschlossenes Strickprojekt überwiegt in jedem Fall die kleinen optischen Makel. Vielleicht probiere ich die Weste auch noch einmal mit dünnerer Wolle – in pastelliger Farbe wäre das sicher etwas für den Frühling :)

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Kommentare: 1
  • #1

    T (Dienstag, 25 Juli 2017 22:42)

    Gratuliere ☺️